Die Wahl zwischen Manipulation und Mündigkeit im Zeitalter der Digitalen Transformation

Im Oktober 2018 habe ich eine Präsentation von Wolfgang Henseler, Professor für Digitale Medien an der Hochschule Pforzheim, auf dem Haufe Expertenforum in Würzburg gehört. Es ging um Understanding4.0 und der Vortrag drehte sich um die Evolution der Künstlichen Intelligenz in der alltäglichen Anwendung von Technologien. Big Data weiß vor uns selbst, was wir wollen. Ein erschrecktes Raunen ging durch den Saal und einzelne Rufe MANIPULATION!!! 

Was hier klar wurde: Es wird uns, jedem Einzelnen – als Teil der Gesellschaft – Mündigkeit unterstellt, denn mündige Menschen sind nur schwer manipulierbar. Dabei ist Big Data ist nicht der Schuldige, sondern ein neutrales Phänomen, das den mündigen Menschen herausfordert, den unmündigen aber ÜBERFORDERT. 

Arbeit und Privates, Gesellschaftliches und Soziales – alle Bereiche werden gleichermaßen, mehrdeutiger, unsicherer, komplexer sowie volatiler und erfordern Mündigkeit, um ein inneres Gleichgewicht, eine eigene Haltung und damit ein Gegengewicht gegen etwaige Manipulationen zu erzeugen

Und das ist wohl ein gesellschaftlicher Trend, der alle Lebensbereiche der Menschen erfasst: Die allgemeine Entmündigung der Menschen im Industriezeitalter, die durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen in Arbeit und Privatem und Zuordnungen zu Rollen und Funktionen innerhalb dieser Welten gegeben ist, wird mit der Digitalisierung umgekehrt, sogar in Teilen aufgehoben und wir erleben eine Renaissance der Selbstbestimmung (wie wir sie vielleicht zum letzten Mal bei größeren politischen Auflehnungen und Umwälzungen wie Weberaufstand etc. gesehen haben, ohne hier einen direkten historischen Bezug aufbauen zu wollen)! 

Und so, wie einige diesen möglichen Aufbruch für die Entwicklung nutzen, erschrecken Viele: Gibt es denn kein Gesetz, keine Regel, die uns vor dieser anstrengenden Aufgabe, selbst zu entscheiden, was richtig ist, bewahrt? Nein, gibt es nicht! Denn die Wirksamkeit von Gesetzen und Regeln setzen voraus, dass  bekannt ist, was in der Gesellschaft über einen längeren Zeitraum hin passiert. In der heutigen VUCA-Welt sind Überraschungen an der Tagesordnung, die das Leben volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig machen. 

Wer nun behauptet, dass wir in von irgendwelchen Mächten konstruierte Systeme getrieben werden, verhält sich unmündig und lässt sich wohl eben treiben

Was bedeutet das für die Arbeit4.0? Im beruflichen Kontext, in der Arbeit des Informationszeitalters, werden die Mündigen, die eigenverantwortlich handelnden Mitarbeiter diejenigen sein, die die Zukunft bestimmen. Sie werden Führungsrollen in den Unternehmen einnehmen – und das bezieht sich nicht auf die Rolle eines formal Vorgesetzten, sondern auf die natürliche Leadership der Könner -– denn diese denken, entscheiden und handeln unabhängig und zum gesamten Wohl des Unternehmens. Das fördert die Resilienz und die Wettbewerbsfähigkeit in einer Welt globaler Konkurrenz. 4.0- oder 5.0-Technologien werden dabei hervorragende Unterstützer sein, ermöglichen sie doch die Lösung von komplexen und kontingenten Aufgaben. Aber die menschliche Kreativität, Empathie, Neugier, Moral und Intuition werden immer besondere Stärken der Menschen bleiben. 

In den kommenden Beiträgen werde ich das Thema Mündigkeit weiter vertiefen. Zu den wichtigen Fragen, die wir hier im Team auch intensiv diskutieren gehört: Kann man Mündigkeit lernen und wenn ja, wie? Wie kann ich als Führungsperson in einem Unternehmen das eigenverantwortliche Denken des Teams, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, stärken?  

Hat das Thema Ihr Interesse geweckt? Schreiben Sie mir, ich freue mich über Austausch und Impulse dazu. 

 Ihr Ralf Haase  

2018-11-20T11:48:48+00:00November 16th, 2018|Arbeit 4.0, Essay|0 Comments

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