Ein Beitrag von Janetta Cordier

Immer wieder stehen wir in unserem Leben vor Entscheidungen – rechts, links, Mitte, geradeaus. Soll ich oder soll ich nicht, oder vielleicht doch, und was ist, wenn es falsch war oder anders besser oder weniger falsch gewesen wäre oder sein könnte?

 

Entscheidungshilfe einkaufen?

Als Strategieberaterin und Coach höre ich immer wieder: „Sagen Sie mir, wie ich entscheiden soll – ich bezahle Sie schließlich.“.“ Meine Standardantwort: „Sie bezahlen mich dafür, dass ich Sie dabei unterstütze, Ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.“ Ich entscheide niemals für einen erwachsenen und mündigen Bürger, gleich ob er Coachingkunde, Unternehmenslenker oder Freund ist. Die häufige Reaktion: „Wie würden Sie entscheiden, wenn Sie an meiner Stelle wären?“ Auch hier kommt von mir wieder ein klares Nein. Ich Janetta Cordier, mit meiner persönlichen Lebens- und Berufserfahrung, mit meinen eigenen Erfolgen und Niederlagen, mit meinen Ängsten, mit meinem Selbstbewusstsein und mit meinem individuellen Wertesystem, kann niemals an genau der Stelle sein, an der ein anderer Mensch steht. Auch wenn sich unsere Wege kreuzen, die Strecke dorthin ist eine Andere mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen.

Meine Überzeugung: Eine richtige Entscheidung kann ich nur für mich selbst treffen. Nur ich weiß, was für mich das Beste ist, und mit welcher Entscheidung ich mich dauerhaft wohlfühlen kann. Denn am Ende trage auch nur ich die Verantwortung für mich und mein Leben. Es gibt kein gutes Gefühl, wenn ich irgendwann mal sage: A hat gesagt, ich soll das so machen. Ich habe mich darauf verlassen, und es war genau falsch.

 

Alleine oder einsam entscheiden?

Das heißt aber nicht, dass ich einsam und verlassen eine Entscheidung zu treffen habe. Im Gegenteil: Von den Erfahrungen anderer kann ich lernen, kann für mich daraus Überlegungen anstellen und Schlüsse ziehen.

Wenn ich entscheiden will, wie ich morgens zur Arbeit komme, kann ich einen Radrennfahrer fragen, der mir begeistert erzählt, dass er jeden Morgen bei Wind und Wetter 50 km mit Leichtigkeit zur Arbeit radelt. Ich für mich würde dann den Schluss daraus ziehen, dass radeln Spaß macht und gesund ist, ich bis zum nächsten Halt öffentlicher Verkehrsmittel radle und dann doch besser umsteige.

Einer meiner besten Freunde wollte unbedingt Handwerker werden, verdiente sich schon als Schüler sein Taschengeld „am Bau“. Er war aber der erste in seiner Familie mit Abitur, also drängten ihn die Eltern zu studieren, und er folgte. Er wurde ein unglücklicher Jurist, der jede freie Minute nutzte, um mit seinen Händen zu arbeiten. Irgendwann ist er daran zerbrochen.

Wenn ich andere – sei es einen Freund oder einen Coach – in meine Entscheidungssituation einbinde, sollte ich fragen: „Was ist für mich mit meinen Werten, meinen Zielen und Interessen in meiner jetzigen Situation das Richtige?“ Diese Frage löst eine Diskussion über Werte, Ziele und Interessen aus. Ein solches – gut und respektvoll geführtes – Gespräch kann eine gute Basis sein, auf der ich mir klar werde, was für mich richtig ist. Und dann habe ich den Mut und entscheide ich für mich alleine. Denn es ist wichtig, irgendwann die Überlegensphase abzuschließen. Entscheidungen werden in der Regel nicht dadurch leichter oder besser, dass man sie über Wochen und Monate immer wieder hinterfragt und nicht trifft.

 

Kann man falsche Entscheidungen treffen?

Meine eindeutige Antwort: NEIN. Jede Entscheidung, die ich für mich auf einer stabilen Informationsbasis treffe, ist für mich richtig. Wenn ich zum Zeitpunkt der Entscheidung überzeugt bin, dass ich den richtigen Weg gehe, dann ist es auch der richtige Weg. Wenn die Interaktion zwischen Kopf und Bauch – Intellekt und Gefühl – gut funktioniert, kann nichts schief gehen.

Ich erlebe immer wieder Menschen, die nach einer gewissen Zeit mit ihrer Entscheidung hadern, die meinen, eine andere Entscheidung wäre doch besser gewesen. Woher wollen sie das wissen? Es gehört in die Märchenwelt, wenn ich darüber nachdenke, ob mein Leben besser oder richtiger verlaufen wäre, wenn ich eine andere Ausbildung, einen anderen Arbeitgeber, einen anderen Lebensmittelpunkt, einen anderen Partner gewählt hätte. Ich und auch sonst niemand kann wissen, was gewesen wäre, wenn….

Wichtig ist aber stets, überhaupt zu entscheiden, um im wahrsten Sinne des Wortes, den nächsten Schritt gehen zu können. Denn es ist wichtig, irgendwann die Überlegensphase abzuschließen. Entscheidungen werden in der Regel nicht dadurch leichter, besser oder richtiger, dass man sie über Wochen und Monate immer wieder hinterfragt und nicht trifft.

 

Mein richtiger Weg!

Ich bin überzeugt davon, dass die Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe, immer richtig waren – und zwar genau in dem Moment, in dem ich sie getroffen habe. Zu dem Zeitpunkt hat mir meine Entscheidung gefallen und – jedenfalls meistens – freue ich mich auf die Zukunft. Ein positiver Blick auf das was kommt, das gute Gefühl, für sich das Richtige getan zu haben, ist Voraussetzung, um zur eigenen Entscheidung zu stehen und dann auch zuversichtlich vorwärts zu gehen. Aber ab und zu bleibe ich stehen, frage Kopf und Bauch, überlege und gehe dann meinen Weg weiter, vielleicht mit anderen Schuhen, einer neuen Jacke oder einem größeren Rucksack. Wenn es neue Einblicke oder Erkenntnisse gibt, kann eine erneute Entscheidung erforderlich sein. Denn an die wenigsten Entscheidungen bin ich dauerhaft gebunden. Aber immer bleibt es mein Weg, den ich auf Basis meiner Entscheidungen gehe, und für den nur ich die Verantwortung trage.

Und für die Lyriker unter meinen Lesern das Ganze in Reimform:

Der Weg

Nehm ich den Rechten, nehm ich den Linken?
Wo wird Liebe und Glück mir winken.
Auch geradeaus könnt zu den Sternen führen.
Was ist richtig? Wie kann ich´s erspüren?

Ich grübele und denke schon so lange.
Doch vor der Entscheidung ist mir bange.
Was ist, wenn mich links das Schönere erwartet?
Und rechts würd ich von Kummer und Sorgen gemartert?

Wie soll ich bloß meinen Weg nun finden?
Wie denn nun die Unsicherheit überwinden?
Wer kann mir helfen, wer kann mir raten?
Worauf sollte ich denn jetzt noch warten?

Die Zeit verrinnt und ich stehe hier noch immer.
Ach je, so zögerlich wird es nur schlimmer.
Ich verstehe nicht, kann nicht begreifen.
Ich fühle meine Gedanken überall hin schweifen.

Gibt es ihn denn – den falschen Weg im Leben?
Soll ich wirklich stets den Blick in die Ferne erstreben?
Muss ich immer den bewussten Überblick behalten?
Sollte ich mein Leb´n mit einer Straßenkarte verwalten?

Wen könnt ich mir weiterzuhelfen befragen?
Wer ist in der Planung des Weges so beschlagen?
Sind´ s Freunde, die wissen, oder vielleicht Fremde?
Lohnt sich´s zu lesen so viele Buchbände?

Mir schwant, dass ich so nicht durchs Leben gehe.
Mir dämmert, dass ich nicht wirklich an einer Kreuzung stehe.
Es scheint mir, als hätte ich für mich nur den einen Weg.
Es scheint, als gäbe es rechts und links nicht mal einen Steg?

Genau – so ist es. Es ist nichts zu beklagen.
Das ist die einzige Antwort auf viele Fragen.
Mein Weg ist meiner – ich gehe ihn immer.
Auch vor hohen Felsen verlass ich ihn nimmer.
Denn auch, wenn es heftig stürmt oder schneit,
mein Weg ist meiner und für mich immer bereit.
Ich muss mich nicht quälen, nichts Verpasstes beweinen.
Auf meinem Weg wird für mich wieder die Sonne scheinen.

Ich habe ihn gefunden – den Weg zu den Sternen.
Seit Anbeginn wandle ich auf ihm, um zu lernen.
Auch wenn er mit Kurven und Biegungen prüft mein Geschick.
Die Sterne werde ich niemals verlieren aus dem Blick.

Auch wenn die Wolken mich lassen erbangen,
wenn Nacht und Nebel mir die Sicht verhangen,
ich weiß, dass Sternenlichter mich stets erreichen,
und jede Dämmerung dem Sonnentag wird weichen.

Egal, was ich entscheide – es ist für mich richtig.
Diese Einsicht erscheint mir fürs Leben sehr wichtig.
Auch wenn man über meine Lösung die Stirn nun runzelt.
Ich bin es, die über diese Gedanken richtig schmunzelt.

Janetta Cordier (cordier-personalstrategien.de) ist Kooperationspartnerin für die Beratung unserer Kunden zu personalstrategischen Themen. Sie lebt in Frankfurt am Main und vor den Toren Berlins. Als HR Executive Beraterin begleitet sie Unternehmensgründer und -entwickler sowie Führungskräfte in deren strategischen und operativen Personalthemen.