Warum emotionale Stabilität und positiver Umgang mit Stress im Berufsleben immer wichtiger werden.

Wertschöpfung wird heute und in Zukunft in zunehmendem Maße kontingent, also unbestimmt und unvorhersehbar. Ursache und Wirkung, Handlung und Ergebnis werden immer diskontinuierlicher und so müssen Mitarbeiter heute mit steigender Geschwindigkeit Aufgaben erledigen, die an Komplexität stetig zunehmen. Wir leben in zunehmend  dynamischen, volatilen, komplexen und mehrdeutigen Arbeitsumgebungen. Sie erfordert von Menschen anpassungsfähig und schnell mit Veränderungen, Krisen und ungewissen Situationen umgehen zu können. Diese Fähigkeiten der inneren Widerstandskraft, emotionalen Stabilität und Kompetenz wird Resilienz genannt. Sie wird als Kriterium in der Personalauswahl bei modernen, agilen Unternehmen immer wichtiger.

Menschen mit hoher Stressresistenz strahlen Sicherheit aus

Eine hohe Stressresistenz zeugt von Belastbarkeit. Menschen mit dieser Eigenschaft lassen sich auch in problematischen Situationen nicht aus der Ruhe bringen, sind psychisch stabil, reagieren auch bei Misserfolgen umsichtig und strahlen Sicherheit aus. Negative Emotionen können auch unter Druck gut reguliert werden und Handlungen richten sich bei überraschenden Veränderungen schnell wieder auf das Wesentliche aus.

Resiliente Führungskräfte bleiben in Krisensituationen oder bei besonders anspruchsvollen Herausforderungen ruhig und ihr Verhalten ist in den unterschiedlichsten Situationen in hohem Maße konstant und ausgewogen. Emotionale Schwankungen haben keinen merklichen Einfluss auf den Führungsstil, Pragmatismus und Moderationsfähigkeit bilden die Grundlagen für den Umgang mit der neuen Situation. Für die Teamleistung bieten Ruhe und Ausgeglichenheit der Führungspersönlichkeit in der Regel einen guten Rahmen, weniger belastbare Mitarbeiter werden unterstützt und Krisen besser bewältigt. Neuen und unbekannten Situationen wird von stressresistenten Menschen ruhig und besonnen begegnet, sie behalten den Überblick und können somit zielsicher durch volatile Projekte navigieren.

Big Five Modell zur Kategorisierung von Charaktereigenschaften

Die emotionale Stabilität gehört zu den fünf Persönlichkeitsfaktoren des Big Five Modells. Es ist auch als Fünf-Faktoren-Modell (FFM) oder OCEAN-Modell bekannt und beschreibt die menschliche Persönlichkeit anhand der fünf Persönlichkeitsmerkmale Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Emotionale Stabilität / Neurotizismus. Das Modell wurde jahrzehntelang von Forschergruppen aus dem Bereich Persönlichkeitsforschung der Differentiellen Psychologie entwickelt und gehört zu den weltweit anerkanntesten Modellen zur Kategorisierung von Charaktereigenschaften.

Die Big Five gelten als zeitlich und über Situationen hinweg relativ stabile Persönlichkeitsmerkmale. Sie unterliegen im Laufe des Lebens aber auch Veränderungen (bedingt durch z.B. als positiv oder negativ empfundene Erlebnisse oder einschneidende Veränderungen wie z.B. dem Berufs- oder Renteneintritt) und sie können auch durch spezifische Interventionen gezielt verändert werden. Personalverantwortliche nutzen die Big Five häufig in Einstellungssituationen, um die Bewerberinnen und Bewerber besser verstehen und einschätzen zu können. Für Jobsuchende gibt der Test fundierte Aufschlüsse über die eigenen Stärken und Fähigkeiten.

Resilienz ist messbar

In Unternehmen ist es im Hinblick auf Veränderungs- und Trainingsmaßnahmen wichtig, zuerst die relevanten Faktoren – z.B. der Emotionalen Stabilität – zu bestimmen, da so gezielt auf die individuellen Voraussetzungen und Anforderungen der Teammitglieder eingegangen werden kann.

Mit dem Big-5-Navigator (kurz: B5N), den die RALF HAASE Personalberatung anwendet, ist seit Kurzem ein neues Persönlichkeitstestverfahren mit maximaler Bandbreite berufsbezogener Persönlichkeitsdimensionen am Markt. Der B5N wurde vom The ROC Institute von Praktikern in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin entwickelt und basiert auf den Big Five. Diese wurden um 42 Facetten ergänzt, die flexibel jegliche Anforderungen von Personalverantwortlichen in den Bereichen Personalauswahl, Personalentwicklung und Organisationsentwicklung abbilden können. Insgesamt bilden damit 208 Items in Form von 52 Quadrupeln (vier Items/Aussagen aus unterschiedlichen Bereichen) die 42 Facetten ab. Pro Quadrupel wählt die Testperson jeweils ein Item, das am ehesten auf sie zutrifft und ein Item, das am wenigsten zutrifft. Durch das beschriebene Forced Choice-Format und die Kontrolle der sozialen Erwünschtheit (gleiche soziale Erwünschtheit aller Items pro Quadrupel) gilt der B5N als nicht verfälschbar. So wird auch Umgang mit Stress durch sieben untergeordnete Facetten im B5N verfälschungssicher im Selbstbild erfasst. Die Testergebnisse werden im Vergleich zu einer Normstichprobe von 811 berufstätigen Personen interpretiert.

Es grüßt Sie herzlichst
Ihr
Ralf Haase